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...von zahlreichen Hunden und ihren Menschen

Manche sind lustig,
andere sind traurig,
alle haben sich so zugetragen,
alle erlauben Einblicke in unser Leben mit Hunden und
spiegeln unsere Einstellung im Umgang mit unseren geliebten Vierbeinern.



"Lady" like

Sie war nicht mein erster Hund, aber sie war der erste Hund, der mich in meinem bisherigen Leben schwer auf die Probe stellte: "Lady"! Man tippte auf einen Mischling aus Wolfsspitz und Collie.

Lady wurde damals aus naiver Tierliebe von meinem Bruder und mir angeschafft und wir hatten nicht eine Minute über die Konsequenzen nachgedacht. Wir gingen zu zweit ins Tierheim mit der Absicht einem "armen" Tierheim-Hund ein neues Zuhause geben zu wollen. So waren wir nach ca. einer halben Stunde "gemeinsame" Besitzer einer etwa 2-jährigen Hündin.

Die Idee war: "Es sollte der Hund meines Bruders werden und ich würde mich in Engpässen um das Tier kümmern“. In der Theorie eine gute Idee, nur die Umsetzung stellte sich im Nachhinein als nicht realisierbar dar. Denn die Hündin, die nun bei meinem Bruder lebte, konnte weder alleine bleiben noch war sie stubenrein und sie neigte dazu, jegliches Mobiliar zu zerstören.

Schnell wurde mir die verständliche Überforderung meines Bruders bewusst und so schlug ich vor, Lady ganz zu mir zu nehmen – dies in einer Wohnung, in der ich keine Haustiere halten durfte und mit der Tatsache, mitten in der Prüfung meiner Ausbildung zu stehen.

Noch naiver war zu glauben, dass sich alle Probleme mit der Übernahme von Lady erledigen würden, weil ich so unglaublich "tierlieb" sei.

Gut, ein Problem konnte ich relativ schnell lösen, ich wechselte meine Wohnung in eine andere, in der Hunde willkommen waren, jedoch alle übrigen Probleme zogen mit Lady mit. Lady schaffte es, meine komplette Wohnungseinrichtung an einem einzigen Tag zu zerstören. So suchte ich mir Hilfe und wandte mich an das örtliche Tierheim mit der Bitte, meinen Hund evtl. in Tagespension zu nehmen. Dies war nicht möglich. Es hieß „ganz oder gar nicht“, d. h. sie würden das Tier entweder ganz übernehmen oder ich solle die ortsansässige Hundeschule kontaktieren.

Entschlossen, es gemeinsam mit Lady zu schaffen, wandte ich mich an diese Hundeschule. Ich saugte die Übungen förmlich auf, denn ich wollte diesen Hund nicht verlieren. So gaben wir beide alles. Lady beherrschte die Übungen in einer Perfektion, so dass die Trainer und so mancher Zuschauer fasziniert waren, nur mich umgab immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich nach der Arbeit den Schlüssel in die Haustür steckte. In dieser Hinsicht enttäuschte mich Lady nie. Mein erster Schritt in die Wohnung führte unweigerlich in einen Hundehaufen, der Teppich im Flur war aufgerollt, zerbissen und mit Urin durchtränkt, Verpackungen von Nahrungsmitteln sowie zerkaute und vorverdaute Essens-Reste hatte sie in der ganzen Wohnung verteilt. Dieser Hund war in der Auswahl von Fressbarem nicht wählerisch, so drückte sie auch Zahnpastatuben aus und verzehrte Seifenstücke.

Führte ich sie an der Leine, so zeigte sie wieder, welch "gute Erziehung" sie genossen hatte, doch ließ ich sie von der Leine, wurde sie Schritt für Schritt schneller, bis sie mit Höchsttempo, ohne sich nur einmal umzuschauen, am Horizont verschwand und ich sie stundenlang suchen musste.

Aber für die Hundeschule stand es fest, Lady war so gut, sie wurde sogar in Fernsehsendungen vorgeführt. Nur ich war mir sicher, nein, dieser Hund ist nicht erzogen, denn wäre das der Fall, würde ich zu Hause ruhig mit ihr leben können. Ich hatte Lady schon eine geraume Zeit und inzwischen schaffte sie es, während ich Arbeiten war, die Türen in meiner Wohnung zu öffnen und vollbrachte wieder ganze Arbeit. Nun war der einzige Weg, für Lady ein anderes Zuhause zu suchen und mein Gefühl damals sagte mir, sie würde sich auf einem Hof oder großen Grundstück viel wohler fühlen als in einer Wohnung.

Dieser Gedanke, in der Hundeschule ausgesprochen, führte zu starken Vorwürfen: "Wie kann man das seinem eigenen Hund wünschen, wenn du das machst, reden wir kein Wort mehr mit dir!".

Ich fand Hilfe bei einem hervorragenden Trainer an der holländischen Grenze. Er befragte mich über die bisherige Zeit mit meinem Vierbeiner und schaute sich die Übungen von Lady und mir an. Er lobte den Gehorsam von Lady und bat mich dann, im Raum zu bleiben, denn er würde jetzt mal alleine mit Lady auf sein Grundstück gehen. Nach ca. einer Stunde kam er zurück, schaute mich fast mitleidig an und sagte: "Oh je Mädchen, was hast du die letzten Monate mit diesem Hund mitgemacht!". Erstaunt über das Verständnis fragte ich ihn, wie er das meine. Er sagte: "Dem Verhalten entsprechend hat dieser Hund, bevor er zu dir kam, noch nie in einer Wohnung gelebt, ich tippe auf einen Südländer oder einen erfahrenen Streuner." Schlagartig wurden mir viele Verhaltensweisen klar.

Der Trainer veränderte sämtliche bisherigen Erziehungsmaßnahmen. Bislang hatte Lady alles über Futter gelernt, machte sie etwas einmal nicht gut, bekam ich von meiner Hundeschule die Maßnahme, Futter drastisch von der Tagesration zu reduzieren. Nun jedoch sollte ich Lady füttern was das Zeug hält. Denn zieht man einem Streuner Futter ab, was kann er in der Not am besten? Na klar, sich selbst ernähren. Das war ja in meiner Wohnung für Lady auch nicht wirklich schwer. Gehe ich mit einem Streuner spazieren und lasse ihn los, läuft er halt einfach weg, er kennt sich doch als Streuner in der Freiheit besser aus als ich.

Zugegeben, Lady war in kurzer Zeit "gut im Futter". Aber so zufrieden und ausgeglichen hatte ich sie zuvor nie erlebt. Künftig machte sie die Übungen, weil ich es ihr aufgetragen und nicht weil ich etwas in der Hand gehalten habe. So bekam ich plötzlich einen Stellenwert in Ladys Leben, sie konnte mich ernst nehmen. Ich konnte ihr zum ersten Mal beweisen, sie besser ernähren und führen zu können, als sie selbst dazu in der Lage war. Das Thema Wohnung zerstören löste der Trainer mit einer Transportbox, in der sie sich stets in meiner Abwesenheit aufhielt.

Die Verwandlung von Lady blieb auch der Hundeschule und dem Tierheim nicht verborgen und ich wurde gebeten, in der Hundeschule mitzuhelfen und mich im Tierheim um die Problem-Hunde zu kümmern.

Viele Wochen fuhr ich mit meiner Lady noch zu diesem Trainer und bin ihm unsagbar dankbar dafür, dass ich von ihm lernen durfte, dass jeder Hund mit Rasse, Vergangenheit und Umstand ein INDIVIDUUM ist und auch so behandelt werden muss. Absolute Tierliebe kann nämlich auch bedeuten, dem Gefühl zu folgen und dann festzustellen, dass das eigene Zuhause für das Glück des Hundes nicht ausreicht.

Lady war nie der Hund, der mit mir geschmust hat, der mich als Hundehalter vollkommen glücklich machen wollte, aber sie ist bei mir fast 14 Jahre alt geworden und im November 1999 in meinen Armen für immer eingeschlafen.

©Sabine Neumann


Wenn die Chemie stimmt

Es war ein heißer Tag und ich wartete auf eine Hundehalterin, die sich für eine Kennenlernstunde bei mir angemeldet hatte. Da sah ich sie, eine zierliche Frau, die wie ein Fähnchen hinter einem großen grazilen schwarzen Hund an der Leine hinterher wehte.

Wir wollten uns begrüßen, dies übernahm dann aber etwas überschwänglich die 8 Monate alte Dobermann-Dalmatiner-Hündin Jill. Irgendwann kam ich auch an die Besitzerin heran, die durch ihr ausgeglichenes ruhiges Wesen sofort einen sehr sympathischen Eindruck auf mich machte.

Zunächst begann ich die Kennenlernstunde wie immer, indem ich mit meiner Hündin die Lernziele unserer Hundeschule vorführte.

Anschließend begannen wir in sanften Schritten die erste Übungseinheit, die sich durch die Unruhe Jills und gemischt mit der Sommerhitze als sehr schwierig darstellte.

Ute, die Hundehalterin, hatte schon sehr viel Mitleid mit ihrem Hund, weil er sich bei dieser Hitze so konzentrieren sollte. Ehrlich, ich habe ein wenig daran gezweifelt, dass sie mir auf ihrem weiteren Erziehungsweg mit Jill folgen wollte. Aber am Ende sagte sie: "Sabine, wir werden über die vereinbarten 5 Stunden mit diesem hibbeligen Hund noch viele Stunden mehr brauchen!" Dabei lächelte sie wieder auf ihre ungewöhnlich ruhige und nette Art.

Nun begann für Jill eine völlig neue Ära, Gehorsam nicht mehr durch "Futterlenken", sondern weil Frauchen es sagt. In der 3. Erziehungsstunde zeigte ich Ute unsere Vorgehensweise, dem Hund die Leinenführigkeit zu vermitteln. Sie war überwältigt, wie schnell sich Jill auf meine Führseite einstellte, ohne in das Ende der Leine zu ziehen.

In derselben Woche beobachtete ich durch Zufall den Ehemann mit Jill, wie sie ihr Herrchen mit ihrer temperamentvollen Art durch den Wald zog. Danach fuhren sie gemeinsam in den Urlaub und Ute verabschiedete sich lächelnd mit den Worten: "Dann haben wir ja ausreichend zu üben in den Ferien". Niemals kam von ihr ein Wort der Verzweiflung oder Ungeduld, immer war sie in freudiger Erwartung neue Übungen lernen zu dürfen.

Als sie nach ihrem Urlaub zur nächsten Stunde kam, ging Jill – als hätte sie es nie anders gemacht – brav und ohne Leinenzug neben ihrem Frauchen. Ich fragte Ute: "Macht sie das nur hier so?". Ganz gelassen antwortete Ute: "Nein, sie läuft jetzt immer so neben mir", ich wiederum: "... und wie klappt es mit deinem Mann?", Ute: "Bei ihm läuft sie auch ruhig an der Leine!". Wieder mit ihrem unschlagbaren zufriedenen Lächeln. In der vierten Stunde wiederholten wir alle Übungen bei einem Spaziergang, in dem Jill frei laufen durfte. Jill sicherte sich immer wieder ab, ob Frauchen auch noch hinter ihr ging und lief bei der Übung HIER ohne zu zögern direkt zu ihrem Frauchen und blickte vertrauensvoll und mit viel Ruhe in ihren Augen zu ihrem Frauchen hinauf.

Ich habe diesen Erziehungsspaziergang sehr genossen, indem ich öfter hinter Ute gegangen bin und die beiden in einer so beeindruckenden Einigkeit beobachten durfte.

Aus den vielen "Profizeiten"-Stunden sind 5 Grundstunden geworden, und das Zusammenspiel einer konsequenten Umsetzung meiner vermittelten Tipps und Übungen sowie die beeindruckende Geduld meiner Schülerin haben zu diesem Ergebnis geführt. In der gesamten Trainingszeit habe ich von Ute nie eine Beschwerde über ihren Hund gehört, ich habe immer nur die Zufriedenheit über die Fortschritte in ihren Augen erblickt.

Kaum zu glauben, dass es zu schaffen ist, diese Temperamentsmischung von Jill überhaupt in diesem Alter ruhiger zu erleben und in wenigen Wochen so ein Zusammenspiel zwischen Hund und Hundehalter zu erreichen: da muss die Chemie einfach stimmen!!!

©Sabine Neumann


Wenn aus einer Angst ein Liebling-Hobby wird!

Im Januar 2010 bekam ich eine Anfrage für einen Welpenkurs. Um der Familie die Gelegenheit zu geben, sich einmal unsere Hundeschule anzuschauen, lud ich sie zu der nächsten Welpenspielstunde ein.

Da stand das Ehepaar mit ihren beiden Töchtern vor dem Eingangstor.

Wer sollte ahnen, was Tyson – der Hund unserer Trainerin Katrin – mit seiner „unscheinbaren“ Größe eines Stockmaßes von ca. 70 cm allein mit seiner Gegenwart auslöste. Dieser drückte seine dicke Nase an die Zaunrippen und eines der Mädchen schrie und sprang in ihrer Panik ihrem Vater auf den Arm. Der Besuch war für das arme Mädchen in diesen Sekunden erledigt und ihr Vater brachte sie zurück ins Auto.

Anschließend unterhielt ich mich mit der Mutter, die mir erzählte, dass sie sich den eigenen Welpen quasi als Therapie zugelegt hatten.

Ich musste der Mutter erklären, dass der eigene Hund für das Zutrauen zu Hunden alleine nicht ausreicht, wie die Situation zuvor klar dokumentierte. Es sei auch fraglich, ob das regelmäßige Mitbringen der Tochter zu den Spiel- und Unterrichtsstunden an der Angst etwas ändern könne, da das Kind jedes Mal wieder in das Extrem geworfen würde. In diesem Fall müsse man in kleinen Schritten vorgehen.

So bot ich der Mutter eine Angsttherapie zunächst mit meinen eigenen Hunden an. Hierbei war es mir wichtig, dass wir mit Hunden arbeiteten, die nicht eigenständig reagieren, denn das Kind musste das Gefühl haben, die Situation immer selbst bestimmen zu können.

Erstaunlich schnell kamen wir in der Arbeit mit meinen Hunden voran. Willma, meine schwarze Labradorhündin, konnte das Herz des Mädchens – zunächst auf große Distanz - schnell gewinnen. Und zwar aufgrund der Tatsache, dass Willma, egal was das Mädchen ihr auch aus der Entfernung in Auftrag gab, bedingungslos erfüllte. Wir arbeiteten uns also von Woche zu Woche immer näher an den Hund heran und bald war das Mädchen stolz, Willma an der Leine zu führen und ihr verschiedene Signale geben zu dürfen. Den nächsten Beitrag übernahmen meine beiden älteren Hunde, Whoopy und Cooper. Whoopy, mit ihrer begnadeten Ruhe und Altersweisheit, ließ sich von dem Mädchen anfassen und streicheln, ohne nur mit dem Augenlid zu zucken. Cooper, der trotz seines damals bereits hohen Alters einen ausgeprägten Spieltrieb hatte und auf jede Spielaufforderung des Mädchens sofort einging.

Die Freude auf unsere wöchentliche Therapiestunde stieg bei dem Mädchen von Woche zu Woche. Und schließlich konnten wir während der Gruppenstunden die Therapie unter fremden Hunden vornehmen – immer mit der Sicherheit, Willma an ihrer Seite zu haben.

Was soll ich sagen, heute ist dieses Mädchen einer unserer besten Agility-Schüler. Sie ist immer zuverlässig, pünktlich und verpasst nie eine Stunde. Egal bei welchem Wetter, sie ist immer da. Hundeangst ist ihr gänzlich fremd geworden und es gab während der Spielstunden schon Situationen, die sie beherzt im Interesse ihres eigenen Hundes besser geregelt hat, als so mancher Erwachsene.

Das war eine meiner dankbarsten Aufgaben und ich hoffe, das Mädchen wird unsere Hundeschule noch lange mit ihrer tollen Art bereichern.

©Sabine Neumann


Wenn ein Hund auch nicht hört, so kann er dennoch gehorsam sein!

Vor einigen Jahren bekam ich den Anruf einer Tierarzt-Auszubildenden, die mich fragte, ob ich ihr bei Ausbildung ihres tauben Cattle-Dog Bobby helfen könnte.

Wir trafen uns zu einer ersten Besprechung und dabei erzählte sie mir, dass der Züchter mit seinem Wurf zum Hörtest die TA-Praxis aufgesucht hätte. Dabei sei festgestellt worden, dass zwei Welpen keine gesunde Hörfähigkeit aufwiesen.

Dem Züchter war klar, dass diese beiden Welpen für ihn nicht mehr brauchbar waren und forderte den Tierarzt auf, die beiden einzuschläfern. Dieser Tierarzt weigerte sich und entschied die Welpen zu behalten – meine Hochachtung vor diesem Tierarzt. Ich fragte die Schülerin, was denn aus dem zweiten Welpen geworden sei. Sie sagte: „Er sitzt noch auf unserer Station“. Ich entschied umgehend, diesen anderen Welpen zu mir zu nehmen, damit er nicht während der wichtigen Prägungsphase isoliert in der Praxis verbringen musste. Dieser Welpe war nicht komplett taub, die Hörfähigkeit war auf einem Ohr eingeschränkt, so dass er nicht orten konnte, woher Geräusche kamen. Ich trainierte den Welpen mit gezielten Übungen, den Kopf zu den Lärmquellen hin auszurichten und brachte ihm anschließend die grundlegenden Gehorsamsübungen wie Sitz, Platz usw. bei. Mit 4 Monaten konnte ich ihn dann in ein neues Zuhause vermitteln.

Aber nun zurück zu Bobby, dem tauben Hund meiner Schülerin. Er verfügte über gar kein Hörvermögen. Eine ausgiebige Zusammenarbeit in intensiven Einzelstunden mit Hilfe eines Vibrationshalsbandes führte zu einem phantastischen Zusammenspiel zwischen meiner Schülerin Katrin und Bobby. Damals war es die schwierigste Aufgabe an ein Gerät mit Fernauslöser zu kommen, welches lediglich "nur" eine Vibrationsfunktion hatte. Dieses Gerät ermöglichte es Bobby, auch in abgewandten Positionen und aus der Entfernung auf das Signal von Katrin zu reagieren. Katrin absolvierte im Anschluss an die Einzelstunden mit Bobby einige Kurse und hätten es die anderen Teilnehmer nicht erfahren, so wäre ihnen wohl kaum aufgefallen, dass Katrin mit ihrem Hund eine andere Form der Kommunikation praktizierte, als die übrigen Hundehalter mit ihren Hunden. Aber dennoch habe ich immer darauf geachtet, dass Katrin "auch wenn Bobby es nicht hören konnte", ganz normal mit ihm sprach, denn nur so konnte sie auch ihre Körpersprache authentisch gegenüber Bobby wiedergeben.

Bobby hat die interne Begleithundeprüfung bestanden und er hat unsere Agility-Kurse lange Zeit mit viel Freude besucht.

Ich möchte an dieser Stelle Katrin Schmitz ausdrücklich loben, einmal dafür, dass sie damals mit der Wahl des anderen Welpen den eindeutig leichteren Weg hätte wählen können und zum anderen für die immense Ausdauer und Geduld, mit der sie Bobby ein vollkommen normales Hundeleben verschafft hat.

©Sabine Neumann



Penelope - viel Hundpersönlichkeit statt Pony

Penelope kam zu einem Zeitpunkt in unsere Familie, als Hundeschulen als überflüssig galten oder Schäferhundvereine waren.

Mama wollte einen Cockerspaniel,
wir Kinder ein Pony
und Papa gab sich geschlagen.
Penelope war weder Cockerspaniel noch Pony.

Unser Mischling erhielt viele Leckerchen, vor allem unter dem Tisch, und außer von Mama keinerlei Erziehung.

Penelope war nie wie sie sein sollte, sie entwickelte sehr viel unkontrollierte Persönlichkeit.

Mamas Wunsch nach Cockerspaniels brachte uns Welpen vom Cockerspaniel ins Haus. Nachdem ihr bei der Geburt 4 Welpen abgenommen wurden, bewachte Penelope ihre anderen 4 Welpen mit Zähnen und Angriffen gegen jeden.
Wir Kinder suchten für die Kleinen ein neues Zuhause, drei sahen aus wie Cocker, der Kleine Dicke, der aussah wie seine Mama Penelope, fand trotzdem ein neues Heim.
Penelope wurde immer bissiger und fetter, kaum einer hatte die Zeit sich mit ihr zu beschäftigen.

Ich habe diesen Hund geliebt!

Heimlich schlief er in meinem Bett unter der Decke, damit auch Oma es nicht sah.
Heimlich ließ ich ihn auf Spaziergängen von der Leine und kam oft erst nach Stunden nach Hause, weil Penelope lieber stöberte und ich nicht ohne Hund nach Hause kommen durfte.
Sie saß im Wald unter dem Baum, auf den ich kletterte und mußte sich meine Teenagersorgen anhören.
Zu Hause sprang sie dreimal durch die Glastür, als der Briefträger kam und hat den Nachbarskindern die Hosen aufgerissen. Gäste ließ sie ins Haus, aber nicht an die Getränke oder wieder zur Tür.
Am Ende wurde sie ständig an eine Kette gebunden. Mama konnte den Stress mit einem bissigen Hund nicht mehr bewältigen. Penelope ging ihren letzten Gang zum Tierarzt.
Als Teenager konnte ich für meinen geliebten Hund nicht mehr tun, als zwei Wochen jede Unterhaltung mit meinen Eltern unterlassen.

Heute bekommt jeder Hund bei mir eine andere Chance.

©Anna Nohlen

Kommentar Sabine Neumann:

Ein Hundeschicksal wie es viele Vierbeiner ereilt. Die Familie ist sich über die Wahl des Haustieres und die Anschaffung sowie in der Vorstellung der Tierhaltung absolut nicht einig. Um sich zufriedenzustellen, reagiert einer in der Familie für alle mit der spontanen Anschaffung eines Tieres. Eigentlich eine tierliebe Familie, aber mit verschiedenen Vorstellungen. Wünschenswert für jedes Tier, welches in ein neues Zuhause zieht wäre, dass sich die Familie vor der Anschaffung an einen Tisch setzt und jeder Einzelne seine Wünsche und Bedürfnisse an das zukünftige Tier äußert. In diesem Gespräch sollte auch geklärt werden, wie viel Verantwortung in der artgerechten Erziehung des Tieres liegt. So wird sehr schnell deutlich, ob und welches Tier in die Familie passt. Sollte die Wahl nach allem Für und Wider auf einen Hund fallen, so sollte auch hier erst einmal die Frage gestellt werden, welche Erziehungsform für alle Familienmitglieder vertretbar ist und wer diese im Stande ist, auch konsequent durchzuführen. Das kann der Schlüssel für ein schönes und zufriedenes Miteinander aller Parteien für viele glückliche Jahre sein.

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